Ferientagebuch-der-Inspiration     Sommer 2016

Ferientagebuch-der-Inspiration

oder wie es zu "Geschichten für 3 Generationen" kam

Sommerferien 2016

Die Sommerferien 2016 standen für mich unter dem Motto für den Herbst oder Winter nach einem Thema zu suchen, unter dem der nächste Erzählabend im MusikZeitRaum stehen sollte.

In der ersten Woche zu Hause habe ich mir viele Bücher besorgt. Ich würde sie zum Familen-Campen in den Chiemgau mitnehmen und hoffte Geschichten darin zu finden.

Außerdem packte ich meine eigenen Aufzeichnungen mit: In mir schlummern seit Jahrzehnten Geschichten, die erzählt werden wollen. Diese Geschichten hängen zusammen und bilden insgesamt einen großen Plot. Deswegen nenne ich sie Bruchstücke eines Mosaiks.

Noch in München erstellte ich neue Storyboards und las im Hof vor unserer Wohnung in dem ein oder anderen Buch ...

 

Dann kam es zu einem "Intermezzo": Beim durchsehen der eigenen Texte, fand ich ein Gedicht, das ich in einer kreativen Nacht mit Bildern verband und am nächsten Morgen spontan mit einer Klangimprovisation unterlegte.

Noch immer zu Hause veröffentlichte ich das Video mutig auf Facebook und konnte so erkennen, dass die sozialen Medien auch heilend wirken können: Denn ich freute mich sehr, dass die Befreiung eigener Texte aus der Schublade, auch anderen gefällt ... hier das Video

 

Danach beschäftigte mich weiter die Frage, welchen Schwerpunkt ich für meine Recherchen setzen sollte. Sollte es ein Programm für Erwachsene im Herbst werden? Oder ein Programm für Kinder und ihre Eltern im Winter rund um Weihnachten? Werden es eigene oder andere Geschichten?

Und so begannen also meine Ferien und meine künstlerische Suche. Die Aktionen der ersten Ferienwoche fasste ich auf Facebook so zusammen:


Ferien-Tagebuch-der-Ispiration 1.Woche

Erinnerungen an die Auftritte im Musik-Zeit-Raum - und dann: der 10. Geburtstag 'vom Großen' - später ein Kurztrip in den Bayrischen Wald - und zwischendurch: erste Storyboards und viele Bücher bestellt! Ich bin ganz sicher: noch 2016 soll's neue Geschichten geben!



Im bayrischen Wald war ich mit meinen Kindern nur eine Nacht - an einem vergessenen Campingplatz weit entfernt von allem Trubel. Dort fand ich Inspiration für einen anderen Blogartikel ... hier zu lesen


Bald ging es los in den Chiemgau mit der ganzen Familie. Tagsüber baden, Fahrrad fahren, Freunde treffen, Grillen, Wandern, Schlauchboot fahren, aber auch gemütlich am See, sonnen und 'chillen'. Ich suchte in meinen Büchern immer wieder nach Geschichten und blieb schließlich an einem Buch hängen, das ich dann aber irgendwie nur für mich las. Und dann packten mich doch meine eigenen Texte. 

Mit vielen Zeichnungen begann ich ein Programm mit den eigenen Geschichten zu konzipieren, bei dem man als Zuhörer herausfinden kann, dass die Geschichten zusammenhängen. In dieser Zeit gab ich wieder Nachrichten über Facebook:


Ferien-Tagebuch-der-Inspiration         2.-4. Woche

Im Chiemgau mit der Familie habe ich einige (wunder-) schöne "Arbeitsplätze" gefunden ... Die vielen Bücher waren im Gepäck ... Aber manchmal kommt es anders als man denkt: Und so sind es nun doch die eigenen Geschichten geworden! Im Herbst/Winter wird es wohl weitere Bruchstücke - aus MoMo's "Mosaik" geben ... noch ohne Gewähr ;)



Der Urlaub war wunderschön und voll und doch bekamen wir langsam Sehnsucht nach unserer Wohnung. Und als wir wieder zu Hause waren, fielen wir glücklich in unsere gemütlichen Betten. Wir lieben es zu campen und doch waren die eigenen vier Wände jetzt eine besondere Wohltat ... Doch sollten wir nur drei Nächte den Vorteil einer festen Behausung genießen. Die Waschmaschine lief in einer Tour, denn ich wollte mit den Kindern noch ein anderes Abenteuer bestehen:

Am Montag ging mein Mann wieder arbeiten und ich fuhr mit den Kindern zum Familiencamp der Wildnisschule Chiemgau. Mich ergriff etwas Wehmut, würde ich doch nun Matratze und Lattenrost, Dusche, Warmwasser und Frühstück im Trockenen mit einem kleinen Zelt in der "Wildnis" der Voralpen tauschen, neben vielen fremden Menschen. Und ich wusste gar nicht so recht, wie es dort zugehen würde. Irgendwie wurde mir mulmig dabei. Aber ausgemacht war ausgemacht und so ging es also wieder ins Chiemgau. Diesmal hatte ich für meine künstlerische Arbeit nur noch das eine Buch dabei - und meine Aufzeichnungen.

Papier und Bleistift ... und Stirnlampe ...


Warum mir so mulmig war, das fand ich bald heraus. Wahrscheinlich hatte ich es im Gespür: In diesem Camp würde ich viel für mich persönlich lernen ...

Da passt der Text "Anders bist du" von 1999. Den hatte ich, noch während dem Camping im Chiemgau gepostet und auf diese Seite gestellt. Als ich ihn schrieb war ich 25 Jahre alt. Nun, mit 42, sollte sich der Inhalt bald wieder ein einem anderen Licht zeigen. Eigenartig ... dieses Wunder mit der Zeit ...



Die ersten Tage im Wildnis-Camp, war ich kaum zu gebrauchen. Ich hatte eigenartiges Kopfweh, schlief früh mit den Kindern und fast immer ohne Pause bis in den Morgen hinein. All die Natur und die vielen Leute nahm ich wie unter einem Nebel wahr. Es war, als könnte ich das alles gar nicht verarbeiten. Unser Zelt war nah am Fluß und das Rauschen des Wassers und das Grillen der Grillen waren lauter, als die großen Straßen in der Stadt ... In der Zwischenzeit bildetet sich unter uns Campenden eine Gemeinschaft. Wir teilten uns die Aufgaben in 3 Gruppen von ca. 20 Personen (gemischten Alters): Jeden Tag hatte jede Gruppe eine Arbeit: Holz vorbereiten, Kochen, Ordnung  auf dem Gelände halten. All das lief nach den üblichen einfachen Prinzipien der indigenen Völker auf der ganzen Welt. Wir lebten mit dem Redestab und die Organisation in einzelnen Gruppen verteilte sich auf groß und klein. Sonst gab es das Motto 'einfach sein' und verschiedene wildnispädagogosche Angebote.

Wärme und Licht fanden wir am Lagerfeuer und in nur wenigen Tagen entstand ein Gefühl eines kleinen Dorfes, in dem erstaunlicher Weise so Vieles spielend und mit Leichtigkeit funktionierte. Die Kinder übernahmen ebenfalls Aufgaben und spielten viel zusammen. Alle Erwachsenen achteten gemeinsam auf sie und die Kinder profitierten von den Anregungen der so verschiedenen Teilnehmer. Langsam, ohne das ich es bemerkt hätte, wurde ich ein Teil des 'Dorfes' und wurde durch jene einfache Gemeinschaft getragen.


Das Kopfweh verschwand mit der Zeit. Ich begann von der Lebenserfahrung der Ältesten zu profitieren, viele Gespräche und Kontakte ergaben sich und ich lernte viel dabei. Die Menschen hatten verschiedenste Hintergründe und Berufe. Bald wussten manche, dass ich Geschichten erzähle und ich wurde gefragt, ob ich einige davon am Lagerfeuer erzählen würde.

Natürlich wollte ich das gerne! Was für eine Möglichkeit!

Doch hatte ich kaum an die Geschichten gedacht und vor lauter Eindrücken auch kaum Zeit darüber nachzudenken.

Auch hatte ich die Geschichten bis jetzt nur innerhalb der Erwachsenenprogramme erzählt. Nun sollten sie vor einer Gruppe von ca 50 Leuten bestehen. Die Hälfte davon Kinder und darunter einige 'wilde' Jungendliche, Erwachsene und einige Älteste mit viel Lebenserfahrung. Wie würden die Geschichten wirken? Wie kann ich sie erzählen, dass sie bei allen 'ankommen'? Es war kein Raum für diese Fragen, zu sehr war ich mit dem Dorfleben, den beginnenden Freundschaften und inspirierenden Begegnungen beschäftigt, dem Holzhohlen, Kochen und den vielen Angeboten, die inzwischen die freie Zeit füllten: Schalen brennen, Naturwanderungen, Holzfeuer ohne Streichholz machen - und vieles mehr. 

 

So fasste ich alles in bei Facebook zusammen:


Ferientagebuch-der-Ispiration               5.Woche

Wildniscamp im Chiemgau. Ein Geschenk für mich und meine Kinder. Ca 60 Leute waren da - Älteste, Erwachsene und Kinder. Nachts am Feuer habe ich schließlich Geschichten erzählt. Umbeschreibbar ... das Gefühl in dieser Gemeinschaft einen Platz zu finden. Vermutlich erscheint darüber bald ein Blogartikel ... ich lasse von mir hören!



Das große Tipi füllte sich am Abend. Ein Gitarrist übernahm den musikalischen Teil. Ich hatte einige Geschichten ausgewählt, die klappen könnten und bei denen ich das Gefühl hatte, dass sie hierher gehören und schließlich legte ich los. Damit man mein Gesicht sehen konnte, stellte ich mich öfter nah ans Feuer und machte meine Runde, damit mich alle mal von vorne sehen konnten. Es lief gut. Manche schlossen die Augen, um zu lauschen, die Kinder lachten über die lustigen Sachen und manchmal knisternde die gesamte Aufmerksamkeit der Gruppe wie das Feuer in unserer aller Mitte.  Die Geschichten veränderten sich etwas. Manches musste ich schneller erzählen, manchmal habe ich die Jüngeren etwas gefragt. Aber die Erwachsenen profitierten von der Lebendigkeit der Kinder. Die ganz kleinen Kinder schliefen bei den ruhigen Sequenzen ein. Die tiefen Schichten der Geschichten wurden für diejenigen erlebbar, die sie erspüren konnten und das wurde für die Jüngeren spürbar. Es entstand eine gemeinsames Erlebnis, bei dem jeder etwas gewann und das gemeinsame Erleben dieser Geschichten, stärkte das Gefühl für die Gemeinschaft. Das Alter der einzelnen begann keine Rolle mehr zu spielen.


Am nächsten Morgen erfuhr ich in der Runde mit dem Redestab, wie und was den Kindern und Jugendlichen gefallen hat. Die Erwachsenen  hatten weiterführende Fragen. Manche Jugendlichen begannen sich noch in derselben Nacht, selber Geschichten auszudenken und zu erzählen.

Nach und nach sickerte ein anderes Verständnis zu mir durch. Ein anderes Verständnis dafür, was Geschichten bewirken können. Was ihr Zweck in einer Gemeinschaft sein kann...

 

Am Nachmittag kamen einige interessierte Teilnehmer mit dem Leiter der Wildnisschule im Tipi zusammen um mehr über Wildnispädagogik zu erfahren. Im Gespräch kamen wir auf das Verhältnis der westlichen Menschen zu indigiginen Kulturen. Die Frage der Schuld kam auf. Ich brachte ich spontan die Geschichte vom "Krieger" ein. Ich erzählte sie frei und die Geschichte war für einige Quelle der Inspiration.

Auch am letzten Abend erzählte ich wieder. Es war ein Bruchstück aus den griechischen Sagen. Nun waren noch mehr Zuhörer da. Das Feuer brannte unter freiem Himmel. Die Kraft des Kreises wurde durch die Aufmerksamkeit und das Interesse der Hörenden sehr stark. Es war wirklich wunderbar. 


Und nun beginne ich dadurch etwas anders zu sehen. Die Geschichten muss ich nicht für eine bestimmte Zielgruppe aussuchen! Das Erzählte ist für alle da und ich beginne zu verstehen, warum auch die Märchen niemals 'nur für Kinder' gemeint waren. Auch die Geschichten die 'nur für Erwachsene' interessant zu sein scheinen, wie manches aus den griechischen Sagen, waren für die Kinder spannend. Auch hier reichen ein paar Zwischensätze für die Kinder, um ihre Aufmerksamkeit zu halten.

 

Die Geschichten verändern sich also beim Freien Erzählen, je nachdem, wer im Publikum ist.

Ja, das Publikum gestaltet sozusagen die Geschichten mit. Ein und dieselbe Geschichte wirkt bei einem erwachsenen Publikum anders, als bei einem gemischten Publikum oder in einer Gruppe mit fast nur Kindern oder Jugendlichen.

Ich muss keine Geschichten für eine Zielgruppe aussuchen, sondern die Geschichten verändern sich, durch die Umgebung, in der sie erzählt werden.

 

Diese Erkenntnis ist für mich wegweisend.


Geschichten für drei Generationen

Weil es mir so viel Freude gemacht hat und viele Teilnehmer weitere Geschichten hören möchten, habe ich für das Programm 2016 folgende Entscheidung getroffen:

An den Andventsonntagen möchte ich jeweils Geschichten für alle 3 Generationen erzählen. Nicht die Erwachsenen Angehörigen hören hier "Kindergeschichten" zu. Und auch die Kinder begleiten nicht die Eltern zu einem "Erwachsenen Kultur-Programm". Nein, ich möchte Geschichten für alle 3 Generationen erzählen: Für Alleinstehende, Rentner, Kinder, Jugendliche, Eltern. 

Und je nachdem auf welches Publikum ich treffe, verwandeln sich die Geschichten. Ich werde mir einige mitnehmen und vornehmen, doch ich werde auch sehen, welche gerade passen und vielleicht einmal diese und bei einem anderen Sonntag andere Geschichten erzählen.


Bruchstücke eines Mosaiks

Doch auch die Bruchstücke des Mosaiks, meine eigenen Geschichten, die erzählt werden möchten, vergesse ich nicht. Ich arbeite an ihnen. Und vielleicht erzähle ich eines dieser Bruchstücke auch bei den 3 Generationen Programm. Doch wenn ich sie dann das erste mal aneinander reihen werde, lade ich zunächst Erwachsene in den Musik-Zeit-Raum ein. Denn es liegt eine Tiefe, Stille und Ruhe in diesen Geschichten, für die ich mir zunächst die zuhörende Kraft von Erwachsenen wünsche. Es liegt ein Zauber darin, Geschichten das allererste mal zu erzählen ... Wenn die Geschichten dann an Stärke gewinnen, kann es gut sein, dass sie auch für 3 Generationen erzählt werden können.

Diese "Bruchstücke eines Mosaiks" werden also vermutlich 2017 im MusikZeitRaum zu hören und zu erleben sein.


Liebe Leser und Leserinnen,

 

Vielen Dank für Ihre und Eure Aufmerksamkeit - schön, dass Sie den Artikel bis zu Ende gelesen haben. Ich freue mich über Anregungen, Gedanken und Assoziationen zu diesem Artikel. Es ist schön darüber einen "Widerhall" zu hören. Gerne können Sie etwas als Kommentar hinterlassen.

In dem Redestabkreis der Wildniswoche gab es das einfache Wort "ahow" das anzeigte, dass man einfach zugehört hatte. Es könnte aber auch jedes andere Wort sein. Im Frauenkreis begannen wir mit einer gewissen Fröhlichkeit "Ahei" zu sagen. Vielleicht ist so ein Wort derzeit so etwas wie der "Daumen hoch"  bei Facebook und co, oder eine einfacher smilie :)

Hier würde er mir so etwas anzeigen, wieviele Leute den Artikel bis zu Ende gelesen haben ... das wäre spannend zu wissen ...

... wer also Lust hat - einfach tun (Name kann ausgedacht sein - spielt keine Rolle)

 

:)

 

Eure und Ihre MoMo Heiß

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Kommentare: 3
  • #1

    Sonja und Martin Linzenmeyer (Mittwoch, 07 September 2016 20:01)

    Hallo Momo,
    war total spannend und interessant zu lesen! Jetzt wissen wir, was wir im Camp verpasst haben und bedauern das sehr!!
    Geschichten für alle Generationen sind eine wunderbare Idee! Vielleicht bietet sich für uns doch mal eine Möglichkeit,
    das zu erleben und sei es im nächsten Familiencamp!!! Schön, dass wir uns begegnet sind!
    Viele liebe Grüße, auch an Noah! Die " Ältesten" Sonja und Martin

  • #2

    Tanza (Sonntag, 11 September 2016 08:59)

    "Ahei"!

  • #3

    Ninja (Sonntag, 30 Oktober 2016 09:44)

    Liebe Momo,
    Du hast eine zauberhafte Website und ich freue mich auf die nächsten Geschichten!
    Liebe Grüße
    Ninja